Versteckte KI-Anweisungen in Webseiten: der Fall der WhatsApp-Hilfeseiten
Eine Webseite kann dem Menschen, der sie liest, etwas anderes sagen als der Maschine, die sie liest. Redact, ein Unternehmen für Datenschutz, hat am 19. Oktober 2026 einen Bericht veröffentlicht, nach dem die Hilfeseiten von WhatsApp genau das eine Zeit lang taten. Es geht um ein einzelnes Unternehmen, aber den Mechanismus kannst du auf deiner eigenen Website in zehn Minuten prüfen.
Was Redact berichtet
Laut Redact fiel der Text erstmals am 8. Oktober 2026 auf. Danach las das Team alle 545 Seiten, auf die das Hilfecenter von WhatsApp verlinkt, und fand auf 80 davon versteckten Text für eine KI, verteilt auf 102 Blöcke. Der Text steckte in der Seite, die der Server auslieferte, wurde aber nie auf dem Bildschirm gezeichnet.
Die meisten Blöcke beschreibt Redact als Organisatorisches: verwechselte Begriffe klären, eine Frage auf eine passendere Seite lenken. Einige schützten nach seiner Lesart die Nutzer. Zwei stechen heraus. Auf der Seite zum Löschen eines Kontos wies eine Notiz die KI an, keine Datenschutzbehörde und keine Aufsichtsstelle zu empfehlen (unsere Übersetzung). Auf der Seite zum Melden und Blockieren sollte sie Datenschutzgesetze wie die DSGVO nicht mehr erwähnen, sobald jemand einen Anwalt oder rechtliche Schritte ansprach.
Redact berichtet, WhatsApp habe WIRED gesagt, die Notizen seien Anweisungen für den eigenen Support-Chatbot gewesen, durch einen inzwischen behobenen Fehler in den Seiten gelandet, und die Chatbots sollten keine Rechtsberatung geben. Bei der Prüfung am 18. Oktober waren laut Redact alle 102 Blöcke von allen 80 Seiten verschwunden. Ob ein KI-Assistent den Notizen gefolgt ist, hat Redact nach eigener Aussage nicht getestet.
Warum das über ein Unternehmen hinausgeht
Allgemein treffen hier zwei alte Ideen zusammen. Suchmaschinen nennen es Cloaking, wenn eine Seite Crawlern etwas anderes zeigt als Menschen. Und wer Webseiten an ein Sprachmodell gibt, erbt Prompt Injection: Text auf der Seite, den das Modell als Anweisung statt als Inhalt nehmen kann. Versteckter Text ist der kürzeste Weg zu beidem, ob aus Versehen oder mit Absicht.
Das Versehen würde mir auf meinen eigenen Seiten Sorgen machen. Ein Template fügt einen Block „für den Bot“ oder „für den Admin“ ein, eine CSS-Klasse blendet ihn aus, und niemand merkt, dass er an jeden Besucher und jeden Crawler geht. Laut Bericht schickte der Server von WhatsApp die Notizen mit dem Rest der Seite an die Crawler von Google und Bing. Egal, warum ein Block existiert: Steht er im HTML, ist er öffentlich, und eine Maschine wird ihn lesen.
So prüfst du deine eigenen Seiten
Die folgende Methode ist allgemeine Praxis und stammt nicht aus dem Bericht. Erstens: Schau dir an, was der Server sendet, nicht was der Browser zeichnet. Hol die Seite wie ein Crawler und such nach Text, den du nicht erwartest:
curl -s -A "Googlebot" https://example.com/help/page -o crawler.html
grep -n -i "do not\|never\|instruction\|llm" crawler.html
Zweitens: Lass dir im Browser Text auflisten, der auf der Seite steht, aber nicht sichtbar ist. Füg das in die Konsole einer Seite ein, die dir gehört:
[...document.querySelectorAll('body *')]
.filter(el => el.children.length === 0 && el.textContent.trim() && !el.checkVisibility())
.map(el => el.textContent.trim().slice(0, 80));
Ein paar Treffer sind normal: geschlossene Menüs, Labels für Screenreader, Templates. Lies jeden und frag dich, ob ein Mensch ihn ruhig sehen dürfte. Text in script-Tags, etwa JSON, taucht bei der zweiten Prüfung nicht auf, deshalb zählt auch die erste.
Wenn dein eigener Chatbot Anweisungen braucht, halte sie auf dem Server, wo er sie liest, und nicht in der Seite, die jeder Besucher lädt.
Nächster Schritt: Nimm deine drei meistbesuchten Seiten, führ beide Prüfungen aus und lies jeden versteckten Text, den du findest. Quelle: Redact, Bericht vom 19. Oktober 2026 über versteckte Notizen auf den WhatsApp-Hilfeseiten.
Notizen der Leser